Ich bin sichtlich erfreut, die nötige Punktzahl für die folgende Jahrgangsstufe, die 13., erreicht zu haben. Draußen ist es verdammt warm, wir gehen alle davon aus, dass der ganze Sommer so wird. Ich bleibe noch etwas an der Schule, rede mit dem einen oder anderen, treffe meine ehemalige Englischlehrerin, die mich von der Fünften bis zur Neunten unterrichtetet. Ich stand nie schlechter als 2- bei ihr. Sie wundert sich, „wie erwachsen“ ich geworden sei. Die anderen bekommen es mit, lachen, und kneifen mir schließlich in die Wangen, weil ich ja nun schon „so erwachsen“ sei.
Ich fahre nach Hause. Micha, Rafa und so bleiben noch an der Schule. Bis 15 Uhr, wie ich im Nachhinein erfahren habe.
Ich zeige meinen Eltern meine Laufbahnbescheinigung. Sie sagen, ich solle endlich mal erwachsen werden und High Life höre bald eh für mich auf nach dieser Ferie. Gut, dann kann ich das ja noch einmal mit gutem Gewissen ausnutzen. Am Abend fahre ich mit dem Rad nach Duisburg-Fahrn. Dort findet eine School’s Out Party unserer Stufe statt. Es gibt reichlich zu trinken. Aber leider zu wenig Bier. Ein Pool steht im Garten. Tote Fliegen und gelbgrüne Blätter treiben auf der Oberfläche. Man stellt sich bereits vor, wie lustig es wäre, wenn man dort jemanden – wahlweise eine/n Betrunkene/n – hineinschubsen würde. Ich habe nichts gehört…
Die Party gelingt, ich habe richtig Spaß. 2 Riesen Pizza Partybleche werden gebracht. Ich bin der einzige der sich lautstark bedankt.
Irgendwann in der Nacht radel ich mit Rafa zurück nach Hause. Wir halten mitten auf einer Kreuzung und urinieren auf dieselbe.
Ich wache auf und muss feststellen, dass ich in der Nacht eineinhalb Mineralwasseflaschen 0,7 L. leerte. Der Mineralienmangel ist immer noch zu spüren. Ich dusche, esse Rührei ,versuche mich an die Nacht zurück zu erinnern, was mir dann auch gelingt. Wenn auch nicht ganz. Ach, da war ja auch noch die Pizza…
Der Tag nimmt schnell seinen Lauf. Es regnet. Jetzt gehen wir alle davon aus, dass der Sommer so bleibt. Der Regen ist uns egal in diesem Moment. Wir sitzen im RE11 nach Bochum. Was steht an? Bochum Total. Am Hauptbahnhof treffen wir Jana. Sie sieht gut aus, mir gefällt ihr Hut. Ich habe es ihr bis heute nie gesagt.
Ziellos schlendern wir also durch die Bochumer Innenstadt. Punker, Metaller, (Über-)emos, Indies, Grufties, Alkoholiker die wahrscheinlich ihr ganzes Leben an diesem Fleck verbringen und sich nun über Gesellschaft freuen und in der Anonymität der Masse verschwinden.
Eine Fiege-Stand nach dem anderen. Abstand ca. 100 Meter. Etappentrinken? Nein? Ok! Stimmt, ist auch ziemlich teuer.
Wir gehen nach REWE und entscheiden uns für zwei Tüten Sangria für je 1,20 Euro oder so. Ich vergaß. Wir steuern die EinsLive Bühne an. Dort spielt die Band „Fotos“. Wir treffen sie im Publikum. Rafa begrüßt sie alle vier per Handschlag. Manzel macht Fotos davon, verliert allerdings nach dem grandiosen Auftritt die DigiCam.
Der Sangria ist alle. Wir quetschen uns durch zigtausende Menschen um an einen Fiege-Stand zu kommen. Eins, zwei, drei Bierchen noch eben und jetzt mal gucken ob wir andere Leute treffen.
Positiv. Wir setzen uns zu ihnen. Ich spüre in diesem Moment negative Schwingungen, ein Pärchen hat Stress. Nicht mein Pech; ich könnte über sowas lachen, wenn ich ehrlich bin. Bin ich aber jetzt nicht. Jana mit ihrem tollen Hut wohnt der Runde bei. Es kommt zum Smalltalk. Ich muss mal, und suche den Toilettenwagen auf. Ich kann nicht, wenn jemand neben mir steht, also bevorzuge ich die versiffte, winzige Kabine, setze mich jedoch nicht hin.
Platz für Neues. Ich möchte ein Bier. Ich sehe einen Friseurladen, der Bier verkauft. Ich lache kurz, betrete den Laden aber.
Schließlich fahren Rafa, Manzel, Kreiner und ich nach Hause. Muss so um 23.30 gewesen sein. Ziemlich früh eigentlich. Mein Fahrrad steht an der Amsterdamer Str., ich muss also nur noch aus der Bahn aussteigen und kann den Rest des Weges (ca. 2 km) mit dem Rad fahren.
Der nächste Morgen ist nicht so schlimm. Habe ja auch nicht so viel getrunken. Ich lasse den Abend noch einmal revue passieren. Ich habe Interesse für Jana entwickelt. Auch ohne Hut ist sie toll.
Ich frage Jahn nach ihrer ICQ-Nummer, welche ich dann auch bekomme. Ich sage ihr, dass ich ab morgen zwei Wochen in Urlaub bin. Ich bin glücklich während ich mit ihr schreibe. Richtig glücklich. Komisch. Sie sagt, sie sei traurig und würde mich gerne am Abend noch einmal sehen. Ich packe also meinen Koffer in vierfacher Geschwindigkeit, nehme ein Bad, mache mir die Haare und gehe los.
Es ist 22.00 Uhr. Ich bekomme eine SMS. Sie schreibt, dass sie nicht kommen könne. Ich bin geknickt und nehme den nächstbesten Bus Richtung Duisburg. Ich gestehe mir selbst, dass ich mich in sie verliebt habe, um so trauriger bin ich, sie nun vierzehn Tage nicht zu sehen.
Am nächsten morgen schreibe ich ihr um 6:45 eine SMS. Gleich verreise ich. Um neun Uhr erhalte ich eine SMS zurück. Ich bin trotz des gestrigen Vorfalls glücklich und überlege mir, wie es nach dem Urlaub weitergeht.
Nach ca. 3 Stunden erreiche ich mit Vater, Mutter und Schwestern unserer Ferienbungalow. Es gefällt mir. Aber wir befinden uns noch in der Vorsaison, ergo wenig Kommunikationsmöglichkeiten. Dem Park fehlt ein zentraler Punkt zum Feiern.
[Details siehe Newspost "Hij is weer terug!"]
Ich komme aus dem Urlaub wieder. Irgendwo bin ich auch überglücklich. Ich treffe mich gleich mit meinen Leuten. Auch Jana kommt. Wir grüßen uns, und nichts ist wie bisher. Wir reden gar kein Wort mehr miteinander. Für eine gewisse Zeitspanne glaube ich, sie interessiert sich für mich.
Auch eine Woche später ändert sich an der seltsamen Situation so gut wie nichts. Ich hole sie am Oberhausener Hauptbahnhof ab. Wir fahren zum See schwimmen. Die Situation lockert sich. Wir unterhalten uns, bzw. geben uns Mühe es so aussehen zu lassen. Ist besser für alle Parteien. Mitten in der Konversation fängt ein Satz von ihr mit den Worten „Mein Freund…“ an. Ich bin tot. Todeszeit…. auch egal. Todesursache… man geht von Herzversagen aus. Ich habe diesen Satz einfach überhört und mache weiter wie bisher.
Sie lädt mich und andere zu sich ein. Ihre Eltern sind im Urlaub. Die Stimmung ist gelassen. Ich weiß auch nicht, dass sie einen Freund hat. Für eine Frau, die einen Freund hat kommen wir uns allerdings in meinen Augen betrachtet ganz schön nahe. Ich genieße den Moment und muss grinsen. Ach…Freund… wasn Mist. Wo ist denn der bitteschön? Ich berühre ihre Hand und lege meinen Arm um sie. Das ist für mich eine reife Leistung und ich bin stolz. Sie beschwert sich nicht. Mehr traue ich mich nicht. Mittlerweile fragen mich sehr viele, wie es denn nun laufen würde? Ich sage natürlich „Gut!“ und grinse.
Nach diesem ganzen Boom, der etwa zehn Tage anhielt, ist es wieder sehr still geworden. Zu still.
Ich möchte mich einfach nicht mehr verlieben – oder zur Abwechslung mal in eine, die keinen Freund hat.
Es tut mir gut, auf Parties oder anderen Treffen mit ganz anderen Leuten zu sein. Die ich auch kenne, die aber mit dem ganzen nichts zu tun haben.
Ich gründe mit Chris und Sascha die Indie-Rock-Band „Mann vom Kiosk“. Den Namen dachte ich mir bereits vor einem Jahr aus.
Wir proben also am Mittwoch, den 25.07. um 18 Uhr. Die Ferien sind nun bald vorbei. Morgen läuft der Simpsonsfilm im Kino. Ich bevorzuge die 20 Uhr Vorstellung.
Es ist 13:12 Uhr. Ich schreibe ein Ferien-Resumé. Ich habe bestimmten Frauen nie gesagt, was ich von ihnen halte und mir ist langweilig. Was eine Ferie.
Ich muss dringend erwachsen werden. High life ist jetzt vorbei.
… ob mir so ein Hut auch steht
?